Sie sind hier: » Aktuelles » Aktuelles
03.02.2010Hilfe nach dem Erdbeben: Diakonie-Katastrophenhilfe gibt Antwort auf die meist gestellten Fragen
In einem Brief an die Kirchengemeinden beantwortet die Diakonie-Katastrophenhilfe die meist gestellten Fragen zur Lage in Haiti und den laufenden Hilfsaktionen. In dem Brief heisst es unter anderem: Die Soforthilfe begann zunächst nur sehr langsam. An die Bergung verschütteter Menschen war in den ersten Tagen praktisch kaum zu denken. Die Zeit lief davon. Wasser und Nahrung gingen den Menschen aus, die Wunden infizierten sich, die Toten verwesten auf offener Straße, die Menschen waren ohne Obdach und mit ihren schweren Traumata alleine. Warum war das so? Die tägliche Katastrophe für die Menschen
Das Erdbeben traf eine Bevölkerung, deren Alltag von Armut, Hunger, Mangel geprägt ist. In Port-au-Prince bestehen mit fast 3 Millionen Einwohnern die größten sozialen Probleme. Der gesetzliche Mindestlohn liegt seit Jahren bei 1,8 US Dollar am Tag. Nur 50% der Haitianer verfügen über eine gesicherte Versorgung mit sauberem Wasser. Es gibt kaum Krankenhäuser – 2,4 Ärzte versorgen knapp 10.000 Menschen. Von funktionierenden Katastrophen- und Zivilschutzsystemen ist der Staat Haiti wegen der instabilen politischen und wirtschaftlichen Lage weit entfernt. Die Versorgungssituation hat sich in den letzten Jahren durch klimatische Veränderungen, Ernteausfälle, die globale Wirtschaftskrise und fehlende Investitionen in der Landwirtschaft immer weiter zugespitzt. Das Land ist seit Jahren auf Hilfe von außen angewiesen. Auch ohne Erdbeben fehlte so die politische, soziale und logistische Infrastruktur sowie die Ressourcen, die man für Humanitäre Hilfe im großen Stil braucht. Wir müssen zur Kenntnis nehmen: Diesen Menschen und dieser Regierung wollte lange keiner uneigennützig helfen, darum geht die Hilfe auch jetzt nur extrem langsam und schwierig voran! Das Land wurde so lange aus der Weltverantwortung ausgeklammert und vernachlässigt, dass das neu erwachte Verantwortungsgefühl nun auf keine Infrastruktur bauen kann. Armut untergräbt auch die Voraussetzungen für Humanitäre Hilfe. Man soll nicht glauben, dass man die – vielfach diskreditierte - und neuerdings auch als „Weltsozialamtspolitik“ verschrieene – Armutsbekämpfung überspringen und direkt zur Humanitären Hilfe schreiten kann: Medizinische Notversorgung und Lebensmittelverteilung im Akutfall gehen nicht ohne langfristige strukturelle Armutsbekämpfung und Ernährungssicherung!
Eine Katastrophe für die Helfer: Zerstörung von Infrastruktur und Logistik
Das Erdbeben hat den Hafen und Teile des kleinen Flughafens zerstört. Wichtige Verbindungswege sind unbefahrbar, das Land verfügt kaum über Hubschrauber. Aus Furcht vor Flüchtlingsströmen hat die Dominikanische Republik schnell ihre Grenzen weitgehend dicht gemacht. Intaktes schweres Räum- und Bergungsgerät zur Freiräumung von Straßen, Hafen, Flughafen etc. ist nicht ausreichend vorhanden. Auch die meisten Lagerhallen sind zerstört. Hilfsgüter ins Land zu bringen und innerhalb des Landes zu verteilen ist unter diesen Bedingungen extrem schwierig. Im Zentrum der Hauptstadt sind die Regierungsgebäude, das Büro des Zivilschutzes und der Sitz der UN-Mission und der EU über den Mitarbeitenden eingestürzt. Auf diese Weise sind staatliche und internationale Hilfsorgani-sationen kaum einsatzfähig. Sämtliche Helfer im Land sind selbst betroffen, viele haben Angehörige verloren. Auch unsere Mitarbeiter des gemeinsamen Projektbüros der Diakonie Katastrophenhilfe und „Brot für die Welt“ in Port-au-Prince haben eine Weile gebraucht, um sich selbst zu sortieren. Dank glücklicher Umstände ist unser Gebäude intakt geblieben. Über unsere 26 Mitarbeiter konnte Büroleiterin Astrid Nissen am Tag nach der Katastrophe Gott sei Dank melden: „Unsere Mitarbeitenden im Büro sind zum Glück unverletzt, aber auch sie suchen in ihren zerstörten Häusern zunächst nach eigenen Angehörigen. Auch sie haben zum Teil große Verluste an Verwandten und Freunden zu beklagen, oder wissen noch nichts über deren Schicksal.“ Sie sind traumatisiert, brachten Angehörige – auch Verletzte – mit ins Büro, um dort für alle ein sicheres Dach über dem Kopf und Versorgung zu haben. Aber woher Wasser und Essen für die erhöhte Zahl von Menschen nehmen? Wie kommunizieren, wenn das Elektrizitätssystem zusammen gebrochen ist und es keinen Diesel mehr für den Generator gibt? Die Telekommunikation hat erst nach Tagen und dann nur sehr eingeschränkt funktioniert. „Wir helfen nahezu rund um die Uhr, die Ausmaße der Katastrophe sind unvorstellbar“, berichtete Astrid Nissen nach drei Tagen. „Aber noch ist die Hilfe nicht optimal organisiert. Verteilstellen sind noch nicht identifiziert und eingerichtet, es konnten noch nicht alle betroffenen Regionen und Orte erreicht werden.“
Erste Hilfslieferungen gestartet - Diakonie Katastrophenhilfe versorgt auch Menschen in entlegenen Regionen
Was bisher geschah
Die Diakonie Katastrophenhilfe organisiert mit Hochdruck die Beschaffung und Verteilung von Hilfsgütern an die Opfer. Da Hilfsgüter nicht vor Ort eingekauft werden können, wurde es notwendig, einen eigenen Hilfsgüterflug zu organisieren. Dazu bedurfte es aber erst einmal einer funktionierenden Flughafenverwaltung und – sicherung, und einer Lösung des Lagerhaltungsproblems. Weil die neue US-Verwaltung des Flughafens in Port-au-Prince zunächst bevorzugt US-amerikanischen Hilfsgütermaschinen Landeerlaubnis erteilte, konnte unser – gemeinsam mit caritas international gechartertes - Flugzeug erst am Mittwoch, 20. Januar, in Port-au-Princelanden. Sofort wurde mit dem Ausladen und Verteilen begonnen. Unter den Hilfsgütern sind medizinische Nothilfepakete zur Basisversorgung von ca. 80.000 Menschen für drei Monate. Zelte, Decken, Plastikplanen, Nahrungsmittel sowie Tabletten zur Wasserreinigung wurden umgehend in die Stadt Jacmel weitergeschickt. Mitarbeiter aus dem Büro von Diakonie Katastrophenhilfe und „Brot für die Welt“ organisieren gemeinsam mit haitianischen Partnerorganisationen und mit den Partnern aus dem globalen kirchlichen Netzwerk ACT (Kirchen helfen gemeinsam) die Verteilung der Hilfsgüter und die Errichtung von Notunterkünften. Die Diakonie Katastrophenhilfe wird sich im ersten Anlauf in der Nothilfe auf die Lieferung und Verteilung von Zelten, Planen und Dingen des täglichen Bedarfs konzentrieren; d.h. Kochutensilien, Hygienesets, Wasserkanister für diejenigen, die ihr gesamtes Hab und Gut durch das Erdbeben verloren haben. Außerdem werden Opfer des Erdbebens darin unterstützt, ihre Trümmer wegzuräumen. Die Diakonie Katastrophenhilfe hat Werkzeug eingekauft und wird es Kleingruppen zur Verfügung stellen. Auch sollen die Arbeitenden ein kleines Einkommen dafür erhalten („Cash-for-Work“), wodurch sie sich trotz steigender Nahrungsmittelpreise ein Stück weit auf lokalen Märkten selbst versorgen können und nicht ausschließlich auf Hilfslieferungen angewiesen sind.
Wo werden wir schwerpunktmäßig helfen?
Kerngebiet dieser Hilfe wird neben Port-au-Prince vor allem die Achse Bainet - Jacmel im Südosten des Landes sein. Dass wir dort ansetzen hat mehrere Gründe: Die Diakonie Katastrophenhilfe war vor dem Erdbeben schon seit mehreren Jahren in der Region um Jacmel stark engagiert, speziell im Aufbau von Katastrophenschutzbauten und Ernährungsspeichern zur Erntesicherung. Deshalb verfügen wir hier über exzellente Kenntnisse von Menschen und örtlichen Gegebenheiten. Die Regierung hat die Bürger von Port-au-Prince wegen der Versorgungs- und Wiederaufbauschwierigkeiten aufgefordert, die völlig zerstörte Stadt zu verlassen und sich auf dem Land anzusiedeln. Man rechnet damit, dass ca. eine Million Menschen dieser Aufforderung folgen werden – schon jetzt verlassen täglich Tausende die Stadt auf der Suche nach einem neuen Lebensort. Sie treffen auf eine völlig verarmte Landbevölkerung (80% auf dem Land müssen mit weniger als einem Dollar am Tag auskommen), die schon nicht genug Nahrung für sich selbst produziert. Die Böden sind zum Teil erodiert, die Nahrungsspeicher zerstört und das Saatgut für die Aussaatim März fehlt. Die Wiederbelebung und Verbesserung der Landwirtschaft wird darum ebenfalls ein wichtiger Schwerpunkt unserer Hilfe sein. Gerade werden die Schäden in dieser Region von unseren Mitarbeitenden erhoben, der Bedarf an Hilfe eingeschätzt und Hilfsgüter in entsprechender Menge organisiert. Da Jacmel auch vom Meer aus zu erreichen ist, werden die Hilfsgüter inzwischen auch mit dem Schiff ins Katastrophengebiet transportiert. 3. Was kostet was? • Küchenset (Haushaltsgeräte) für eine Familie: ca. 20 Euro • Hygieneset für eine Familie: ca. 15 Euro • Familienzelt: ca. 180 Euro • Einfache Wolldecke: 3 Euro / Decke besserer Qualität: 10 Euro Für 1.000 Euro können ungefähr 5 Familienzelte beschafft oder 25 Familien mit Plastikplanen, Küchensets und einfachen Decken versorgt werden. Für 2.000 Euro können 10 Familien mit einem wetterfesten Zelt ausgestattet werden oder 50 obdachlos gewordene Familien Plastikplanen zum Errichten einer provisorischen Notunterkunft sowie Küchensets und einfache Decken erhalten.
Dauerhafter Beistand für ein gebeuteltes Land
Die Diakonie Katastrophenhilfe und „Brot für die Welt“ leisten seit 2005 Hilfe in Haiti, das als ärmstes Land in der westlichen Hemisphäre gilt und seit Jahrzehnten anhaltende politische und soziale Krisen durchlebt. Rund 70 Prozent der neun Millionen Haitianer leben in tiefer Armut, das Land ist in hohem Maße auf externe Hilfe angewiesen. Naturkatastrophen wie Hurrikans und Überschwemmungen peinigen das Land in regelmäßigen Abständen, richten große Schäden an und verstärken die Misere.
Unser Büro in Port-au-Prince
Das gemeinsame Projektbüro von Diakonie Katastrophenhilfe und „Brot für die Welt“, das von der deutschen Mitarbeiterin Astrid Nissen geleitet wird, besteht aus einem 26-köpfigen Mitarbeiterstab. Sie sind für Programmkoordination und Projektarbeit sowie für administrative und logistische Aufgaben zuständig. Es gilt die Entwicklungen im Land zu verfolgen und zeitnah und bedarfsgerecht auf Naturkatastrophen zu reagieren. Längerfristige Programme zur Ernährungssicherung und Katastrophenvorsorge werden seit Jahren durchgeführt. Durch die Unterstützung von Kleinbauern soll die Abhängigkeit von Nahrungsmittelhilfe reduziert werden. Alle Projekte und Programme werden in enger Abstimmung mit der Zentrale in Stuttgart geplant und umgesetzt. Das Projektbüro vor Ort entwickelt Strategien für die kurz-, mittel- und langfristige Arbeit. Gemeinsam mit den lokalen Partnerorganisationen werden dann konkrete Projekte geplant.
Pfarrerin Cornelia Füllkrug-Weitzel Vorstand Ökumenische Diakonie im Diakonischen Werk der EKD
Volker Gerdesmeier Abteilungsleiter Diakonie Katastrophenhilfe
Bankverbindung
Die EKHN bittet um Spenden unter dem Kennwort:
"Erdbebenhilfe Haiti"
Empfänger/Begünstigter: Evangelische Kirche in Hessen und Nassau
Evangelische Kreditgenossenschaft Kassel
Konto 4 100 000
BLZ 520 604 10
IBAN DE27 5206 0410 0004 1000 00
BIC GENODEF1EK1
Spendenbescheinigung
Wer spendet, bekommt automatisch eine Zuwendungsbestätigung ausgestellt - unabhängig wie hoch der Betrag ist. Voraussetzung ist, dass die Anschrift bekannt ist. Die Anschrift kann auf der Überweisung selbst, per E-Mail oder Post mitgeteilt werden. Das Finanzamt erkennt sogar bei Spenden bis zu 200,00 € eine Kopie des Kontoauszuges als Nachweis an.




